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Mittwoch, 1. April 2009

Jetzt sperrt Youtube auch in Deutschland Musikvideos

Von Konrad Lischka

Die Gema will mehr Geld von Googles Videoportal YouTube: Für jeden Abruf eines Musikvideos soll die Videoseite zahlen, egal, wie viel Geld die Anzeigen bringen. YouTube fürchtet Verluste - und klemmt erst mal deutschen Nutzern die Musik-Clips ab.

Die Gema streitet wieder einmal ums Geld: Erst Anfang des Jahres hatte die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte Konzertveranstalter mit einer klaren Ansage aufgeschreckt: Ein Zehntel aller Live-Musik-Einnahmen hätte man gern bis 2014. "Wucher", kommentierten die Betroffenen damals.

Jetzt ist YouTube dran. Die Gema will mehr Geld für Musik-Clips. "Nicht nachvollziehbar" nennt heute YouTube-Manager Patrick Walker im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE die neuesten Gema-Forderungen.

Der Vertrag der Verwertungsgesellschaft mit YouTube läuft an diesem Dienstag aus. Auf einen neuen konnte man sich nicht einigen. Laut YouTube verlangt die Gema einen Betrag von zwölf Cent für jeden Abruf eines Musikvideos, an dem ein von der Gema vertretener Komponist, Textautor oder Musikverleger die Rechte hält (die Gema hat gut 60.000 deutsche Mitglieder und vertritt mehr als einer Million Rechteinhaber aus aller Welt).

YouTube nennt die von der Gema geforderten Beträge "beispiellos in der Geschichte des Streamens von Musikvideos". Die 12-Cent-Pauschale sei 50-mal höher als der in Großbritannien vom Gema-Gegenstück PRS geforderte Betrag. YouTube-Manager Walker: "Wir können die Höhe dieser Forderung nicht nachvollziehen und sind von der Unnachgiebigkeit der Gema enttäuscht. Das ist für YouTube nicht tragbar, wir würden mit jedem Abruf eines Videos Geld verlieren."

YouTube filtert mehrere tausend Clips

YouTube beginnt am Dienstagabend damit, alle Musikvideos zu sperren, die von dieser Auseinandersetzung berührt sein könnten. Walker spricht von "mehreren tausend Musikvideos". Wie viele Clips es exakt sind, könne man nicht sagen. Zunächst sperrt YouTube alle Clips, welche die Labels selbst eingestellt haben, dann auch alle von Nutzern eingestellten Kopien dieser Clips. Es soll mehrere Tage dauern, alle entsprechenden Inhalte zu blockieren.

Sendet YouTube weiterhin die Clips, nachdem das bisherige Lizenzabkommen mit der Gema ausgelaufen ist, würde für jeden Abruf irgendwann eine womöglich saftige Nachzahlung fällig werden. YouTube-Manager Walker: "Wir müssen die Musikvideos allein schon aus Gründen der Vorsicht blockieren, weil zunächst einmal der Gema-Tarif im Raum steht und sich dadurch nicht tragbare wirtschaftliche Risiken ergeben."

Die Gema bestreitet, von YouTube jemals 12 Cent gefordert zu haben. Sprecherin Bettina Müller erklärt SPIEGEL ONLINE: "Wir haben YouTube 1 Cent pro Stream angeboten. Die Verhandlungen sind bislang daran gescheitert, dass YouTube nicht bereit war und ist, die Forderungen der Gema nach mehr Transparenz hinsichtlich des genutzten Musikrepertoires zu erfüllen."

Gema: "Wir wollen mehr Transparenz"

Was nun - 1 oder 12 Cent? Diesen Widerspruch klärte bislang keine der beiden Seiten auf. Ein möglicher Erklärungsansatz: Die Gema hat womöglich 1 Cent geboten, aber nur unter der Bedingung, von YouTube mehr Informationen zum Abruf der Musikvideos zu erhalten. Doch wenn wegen des Konflikts kein neuer Vertrag zustande kommt, könnte die Gema die Abrechnung nach ihren "Lizenzierungsgrundlagen" für "Anbieter von Musikvideo-on-demand-Portalen" verlangen. Und in diesem Dokument (PDF auf den Seiten der Gema...) heißt es, die "Mindestvergütung je entgeltlich oder unentgeltlich" genutzten Werks aus dem Gema-Repertoire mit einer Spieldauer bis zu fünf Minuten betrage 0,1278 Euro. Da sind sie also, die 12 Cent.

Wie viel Geld YouTube bei solchen Lizenzbedingungen der Abruf eines Musikvideos tatsächlich kosten würde, kann man nur vermuten: Die Gema-Lizenz deckt ja nur einen Teil der Rechte an einem Musikvideo ab (Texte und Komposition) - für die Rechte an Filmmaterial und den Aufnahmen der Songs muss YouTube noch einmal extra zahlen.

Wenn man die Gema-Forderung hochrechnet, müsste YouTube bei der Werbung im Umfeld der Streams einen Tausenderkontaktpreis (TKP) von 120 Euro erzielen, allein um die Gema-Gebühren zu finanzieren. Ein TKP von 120 Euro ist extrem hoch - YouTube-Manger Walker kommentiert, dass Online-Anzeigenkunden schon einen TKP von 15 Euro nur für ein sehr gutes, demografisch hochattraktives Werbeumfeld zahlen würden.

500.000 Euro für 3,7 Millionen Videoabrufe?

Wie viele Musikvideos nun eigentlich abgerufen werden, wie viel Anzeigenumsatz mit den Werbeplätzen in diesem Umfeld gemacht wird - all das will YouTube nicht beantworten. Eine sehr grobe Rechnung veranschaulicht allerdings die Größenordnung: YouTube zeigt bei den Nutzerprofilen an, wie oft die Videos dieses Mitglied abgerufen wurden.

Zählt man nun die Videoabrufe der 20 Mitglieder mit den meistgesehenen Clips in der Kategorie "Musiker" in Deutschland im vergangenen Monat zusammen, kommen derzeit (Dienstag, 18 Uhr) mehr als 3,7 Millionen Videoabrufe zusammen. Sprich: Für einen Monat Musik-Werbevideo-Abnudelei (der 20 beliebtesten Anbieter) müsste YouTube der Gema knapp eine halbe Million Euro überweisen.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,616605,00.html

Dienstag, 10. März 2009

Youtube UK sperrt Musikvideos wegen Unstimmigkeiten mit den Lizenzverträgen

Seit Montag Abend sperrt Youtube in Großbritannien Musikvideos - weil sich die Google-Tochter nicht mit der britischen Verwertungsgesellschaft PRS auf Lizenzverträge einigt. Das kann ja heiter werden. VON MEIKE LAAFF

Wie sollen denn künftig Phänomene wie die Arctic Monkeys nach oben gespült werden, gibt Youtube zu bedenken. Foto: dpa

Seit Montag Abend ist Schluss mit lustigem Youtube-Disko-Machen. Zumindest in den UK - denn dort blockiert Youtube seit 18 Uhr Ortszeit zahlreiche Musikvideos, weil Lizenzverhandlungen zwischen Youtube und der britischen Verwertungsgesellschaft Performing Right Society (PRS) gescheitert waren.

Die PRS, das deutsche Pendant zur GEMA, hätte nach Auslaufen alter Verträge ihre Lizenzforderungen um ein Vielfaches erhöht, sagte ein Youtube-Sprecher zur Begründung des Schrittes. Und PRS-Chef Steve Porter zeigte sich - wie nicht anders zu erwarten - natürlich "schockiert und enttäuscht" von dem Schritt. Google bestrafe damit die britischen Konsumenten und die Songwriter, deren Interessen die PRS vertrete und repräsentiere, so Porter in einer Mitteilung.
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Noch ist es nicht so, dass Youtube alle Videos gesperrt hat - es soll mindestens zwei Tage dauern, bis die betroffenen Clips systematisch geblockt sind. Unklarheit besteht aber offenbar noch darüber, welche Inhalte künftig nicht mehr aufrufbar sein werden: Nach Angaben von BBC und Guardian sollen außerdem zunächst so genannte "Premium-Musikvideos" betroffen sein, die große Labels wie EMI, Universal, Warner, Sony BMG oder kleinere Indielabels ins Netz gestellt haben sollen. Auf dem Google-Watchblog ist dagegen zu lesen, dass auch nutzergenerierte Videos gesperrt werden, die lizenzpflichtige Musik enthalten.

Dieser Fall könnte Ausblick darauf sein, wie die Google-Tochter Youtube in den nächsten Jahren ihre Marktmacht zu nutzen versucht - nicht nur in Großbritannien, sondern möglicherweise auch in anderen Ländern. Youtube ist groß genug geworden, um mit Blockaden einen Aufschrei zu erzeugen und die Länderrechtevertreter gehörig unter Druck zu setzen. "Wenn die neuen Arctic Monkeys auftauchen, muss die Sache laufen", sagte Patrick Walker, Chef der Youtube-Video-Abteilung zum Guardian. "Das ist im Interesse der Musikindustrie - wir tun das nicht nur für uns. Die Plattenindustrie braucht ein neues Geschäftsmodell, darum ist es schade, dass so etwas passiert. Aber manchmal muss man eben einen Schritt zurückgehen, um einen vorwärts zu machen." Die britische Band Arctic Monkeys wurden als Youtube-Phänomen bekannt, weil sie noch vor Veröffentlichung ihres ersten Albums große Konzertsäle füllten - bekannt geworden durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Youtube.

Aber natürlich bekommt in der Debatte in den UK auch die PRS ihr Fett weg - ist es doch so, dass Youtube mit vielen größeren Plattenfirmen bereits Deals abgeschlossen hat, an sie bereits zahlt - und einen weiteren Beitrag an die PRS entrichten müsste, weil damit die Rechte an Komposition und Text noch nicht abgegolten sind.

Was die Verwertungsgesellschaft auch nicht gerade populärer macht, ist die Tatsache, dass auch andere Online-Dienste, die in der Musikverbreitung im Netz eine Rolle spielen, in den letzten 12 Monaten Ärger mit den PRS-Lizenzdeals hatten - darunter MySpace UK oder pandora.com.

Auch wenn versierte User sich von solchen Sperrungen kaum abhalten lassen werden, zerschlägt sich damit die Hoffnung auf eine unkomplizierte Verbreitung von Musik im Netz - denn Verwertungsgesellschaften wie die PRS gibt es vielerorts.

http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/ende-der-youtube-disko/